Große und kleine Plakate, die Waren und Dienstleistungen anpriesen, geschäftstüchtige Unternehmer, die ihre Kundschaft persönlich ansprachen und mitnahmen, Musik und Essensgerüche aus vielen Klassenzimmern – bei einem Gang durch das Schulgebäude an den Projekttagen konnte man in diesem Schuljahr wieder einmal „Jociety“ erleben. Dabei verwandelt sich das JoHo in eine abgeschlossene Stadt mit verschiedenen Betrieben und einer stadteigenen Währung, dem „Jollar“. Bereits Wochen vorher war Jociety von der SMV und einer Gruppe von Lehrkräften geplant und organisiert worden, und das Ergebnis war beeindruckend:

Alle Schüler und Schülerinnen bekamen ein Startkapital und hatten zudem eine Anstellung in einem der Unternehmen, für das sie täglich zwei Schichten arbeiten mussten. Möglichkeiten, die bei der Arbeit verdienten Jollar in der Freizeit wieder auszugeben, gab es viele: Cafés lockten mit Kuchen, Pancakes, Waffeln und Crêpes, Bars mit Milchshakes und Cocktails, und wer lieber etwas Herzhaftes wollte, konnte sich mit Frühlingsrollen und Ramen-Nudeln versorgen. Friseure boten Haarschnitte und kunstvolle Flechtfrisuren, und für die handgemalten Hennatattoos musste man sogar Wartezeiten in Kauf nehmen. Frisch verschönert konnte man sich im Fotostudio ablichten lassen oder vielleicht sogar im Standesamt gleich heiraten – wer den geeigneten Partner noch nicht gefunden hatte, wurde eventuell beim Speed-Dating fündig. Aber es gab auch weniger verbindliche Aktivitäten: Ein Kino und zwei Discos lockten Besucher an, und etliche Betriebe hatten sich dem Spielen verschrieben – mit einem selbst gemachten Lehrerfoto-Memory, diversen Brettspielen, Videokonsolen, Quizzen oder Roulette und Poker. Wer bei letzterem betrog oder sonst durch grobe Regelverstöße auffiel, musste damit rechnen, vor das Gericht gestellt zu werden, das immer zur vollen Stunde zusammentrat, aber zum Glück nur wenig zu tun hatte. Nicht zuletzt gab es auch produzierendes Gewerbe, zum Beispiel eine Goldschmiede und einen Laden, in dem man sich Stofftaschen nach Wunsch bedrucken lassen konnte, oder die Herstellung farbenfroher Geographie-Modelle im Werkraum. Sogar lernen konnte man in der letzten Schulwoche noch etwas: bei der Bobbycar-Fahrschule in der Aula oder der Zauberwürfel-Werkstatt.

Wie in der Realität liefen die Geschäfte nicht überall gleich, und einzelne Unternehmen mussten sogar Insolvenz anmelden und Staatshilfen beantragen. Die allermeisten aber hatten keine Probleme, ihre Angestellten und die Steuern zu bezahlen und am Ende des Tages sogar Gewinn auszuschütten. Spannend wäre sicher gewesen, wie sich „Jociety“ weiter entwickelt hätte: Welche Geschäfte hätten mittelfristig geboomt, bei welchen wäre der Markt bald gesättigt gewesen? Darüber lässt sich nur spekulieren, denn nach zwei Tagen schlossen alle Betriebe wieder, und die Jollars mussten zurück an die SMV gezahlt werden – nun werden sie in der JoHo-City-Zentralbank im Tresor gelagert, bis Jociety das nächste Mal seine Tore öffnet.

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