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Mit Erasmus+ in Italien Mode und mehr

von Julia Wiesmann

T-Shirts für 5€, Jeans für 15€ … die Versuchung, bei solchen Preisen immer noch mehr Kleidung zu kaufen und die Mode von gestern zur Altkleidersammlung zu geben, ist groß. Da Textilmüll aber inzwischen ein großes, weltweites Umweltproblem darstellt, lag es nahe, das Thema "Mode und Nachhaltigkeit" im diesjährigen Erasmus+-Projekt mit dem Istituto Gadda Rosselli in Gallarate anzugehen. Bereits beim Besuch der italienischen Schülergruppe im Oktober wurde intensiv am Thema gearbeitet, und nun setzten wir die Projektarbeit bei unserem Gegenbesuch fort. Dabei beschäftigten wir uns nicht nur mit der heutigen Zeit, sondern auch mit den Produktionsmethoden und Arbeitsbedingungen in der Vergangenheit.
"Upcycling statt wegwerfen" war das Thema eines Workshops, den die Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule vorbereitet hatten. Einige Stunden lang wurde intensiv an Schlüsselanhängern, Haargummis, Sockenhäschen und Armbändern gearbeitet – die Ergebnisse konnten sich sehen lassen!
Da die Lombardei im 19. Jahrhundert Zentrum der italienischen Textilindustrie war, konnten wir auch verschiedene Orte besuchen, an denen sich in der Vergangenheit alles um Stoffe drehte: das Textilmuseum von Busto Arsizio, in dem wir viel Interessantes über die Herstellungsprozesse erfuhren, und die Planstadt Crespi d'Adda bei Bergamo, die von der Unternehmerfamilie Crespi als Idealstadt konzipiert und erbaut wurde. Ganz anders als in anderen Industriegebieten sollten die Arbeiterinnen und Arbeiter dort gesunden Wohnraum vorfinden und Einrichtungen, die der Befriedigung all ihrer Bedürfnisse dienten.
Auch in Milano, der Stadt der Mode, tauchten wir noch einmal in die Vergangenheit ein: Im Museo della moda erhielten wir einen äußerst informativen Überblick über die Entwicklung der Herrenmode in den letzten Jahrhunderten. Wer hätte gedacht, dass schöne Beine im 18. Jahrhundert viel wichtiger waren als ein Waschbrettbauch, und dass die teuersten Schmuckstücke die Schuhschnallen waren?
Wie immer gehörte zum Austausch aber viel mehr als die Projektarbeit: die gemeinsamen Unternehmungen der Schülerinnen und Schüler in der Freizeit, das gute Essen, mit dem sie in den Familien verwöhnt wurden, die Überraschung angesichts mancher Gepflogenheiten in der italienischen Schule. So fiel der Abschied am Ende der Woche nicht leicht, doch wird sich für manche sicher die Gelegenheit ergeben, ihre italienischen amici und amiche einmal wiederzusehen.
(Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autorin und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.)