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Planspiel „Parlamentarische Debatte“ Wenn die Aula zum Bundestagsplenarsaal wird

von Katrin Wolfer

Wie fühlt es sich an, wenn man selbst über ein Gesetz entscheiden muss? Dieser Frage gingen unsere Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe einen Schultag lang im Planspiel „Parlamentarische Debatte“ nach.

Jede Schülerin und jeder Schüler erhielt die Rollenkarte einer fiktiven Bundestagsabgeordneten bzw. eines fiktiven Bundestagsabgeordneten mit eigener Biografie, Wahlkreisinteressen, Themenschwerpunkten und Kompromisslinien. Als Mitglieder einer der fiktiven Parteien, die an die realen Positionen und Machtverhältnisse im Bundestag angelehnt waren, diskutierten die Abgeordneten in Fraktionen und Ausschüssen, handelten Kompromisse aus und brachten Änderungsanträge zum Gesetzentwurf eines Bedingungslosen Grundeinkommens ein.
Eine vieldiskutierte Änderung war, ob das Bedingungslose Grundeinkommen nur Menschen mit Wohnsitz in Deutschland zustehen sollte, ob eine vorherige Erwerbstätigkeit Voraussetzung sein müsste oder ob die deutsche Staatsbürgerschaft ein zusätzliches Kriterium sein sollte. Die Meinungen der Parteien ging hier sehr weit auseinander.

Besonders spannend war auch das Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Christian Moser (Wahlkreis Freising/ Pfaffenhofen/ Schrobenhausener Land), der sich viel Zeit nahm, um offen aus seinem politischen Alltag zu berichten. Er erzählte, wie wichtig es sei, für politische Vorhaben und die Anliegen seines Wahlkreises Mehrheiten und Verbündete zu gewinnen, und zwar nicht nur in den offiziellen Sitzungen, sondern vor allem auch bei einer Tasse Kaffee oder im Rahmen eines inoffiziellen Abendessens. MdB Moser beantwortete zugewandt die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler - von seinem persönlichen Weg in die Politik bis hin zu der neugierigen Frage, ob er einen Bodyguard habe. Abschließend besuchte er noch eine der Ausschusssitzungen.

Es war eine Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler, sich sowohl fachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen als auch im Sinne ihrer Rolle und Partei überzeugend zu argumentieren. Trotz der Weiterentwicklung des Gesetzesentwurfs durch mehrere Änderungsanträge und der mitunter eindringlichen Reden einzelner Abgeordneten in der zweiten Lesung fand der Entwurf am Ende keine Mehrheit. Ausschlaggebend waren vor allem die ungelösten Fragen zur Finanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Das alljährlich stattfindende Planspiel zeigt einmal mehr, wie anspruchsvoll es ist, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen, sich im wahrsten Sinne des Wortes in andere „Rollen“ hineinzuversetzen und am Ende tragfähige Entscheidungen zu treffen. Das gilt nicht nur im Kleinen für einzelne Klassen oder die SMV, sondern auch für die Demokratie eines Landes.