Alle Wege führen nach Rom?

Es gibt doch so ein gutes, altes Sprichwort: Alle Wege führen nach Rom. Darauf habe ich mich vor Beginn meiner Romreise, die von der young-leaders-GmbH organisiert wurde, sehr verlassen. Ist doch total einfach. Man setzt sich in irgendeinen Bus oder Zug und irgendwann – ja irgendwann kommt man in Rom an. So kann man sich angenehmes Reisen vorstellen. Mit gepackten Taschen samt Latein-Lektüre und Wörterbuch setzte ich mich also in einen Zug, der dann zu meiner grenzenlosen Enttäuschung nicht nach Rom fuhr! In München musste ich schon wieder aussteigen. Von dort aus ging es mit einem anderen Zug, der unverschämterweise in die „falsche“ Richtung fuhr – nach Frankfurt. Dort traf ich meine Leidensgenossen, die mit mir dieses Seminar besuchen wollten und ebenfalls in Frankfurt gelandet waren. Kaum dort angekommen, hoben wir – nun endlich wirklich – in Richtung Rom ab. Als wir endlich am Ziel unserer Träume angekommen waren, stiegen wir in einen Bus und merkten nach einer zweistündigen Fahrt, dass wir uns schon wieder von Rom entfernt hatten. Doch entschädigt wurde das durch die wunderschöne Aussicht. In der Villa Palazzola, unserer Residenz für die nächste Woche, richteten wir uns gemütlich ein, um den Abend damit zu verbringen, im Spiel Werwolf, wie der Name schon sagt, Werwölfe zur Strecke zu bringen. Am nächsten Tag begann der eigentliche Grund unserer Reise, nämlich die unschlagbare Kombination aus Latein und Philosophie. Bestens ausgerüstet mit Block, Stift, Lektüre und Wörterbuch erwarteten wir unseren ersten Referenten: Father Nick. Und theoretisch hätte mir an diesem Namen etwas auffallen müssen. Da das aber nicht geschah, war ich echt überrascht, als ich die ersten Worte aus seinem Mund vernahm.

Er sprach Englisch. Also müsste ich meinen vorherigen Satz ergänzen, es war nicht nur eine unschlagbare Kombination aus Latein und Philosophie, diese unschlagbare Kombination bestand auch aus Englisch. Leider ist diese Kombination mit Englisch nicht mehr unschlagbar. Ich weiß, Cäsar hätte sich im Grab umgedreht, aber manchmal ist ein Duett (aus Latein und Philosophie), einem Triumvirat vorzuziehen. Obwohl es teils sprachliche Verständigungsschwierigkeiten gab, waren diese Stunden äußerst interessant, da die Referenten großes, fachliches Wissen mitbrachten und wir sehr gut über ethische Themen diskutieren konnten (in diesem Fall: Was macht eine Tat schlecht oder gut?). Dabei wurden zuerst Abschnitte der Lektüre von Latein auf Deutsch übersetzt (oder eben auch auf Englisch *seufz*) und dann darüber diskutiert. Sowohl vor als auch nach den Seminaren konnte man die Referenten jederzeit ansprechen, um Meinungen zu Themen zu erfahren oder auszutauschen. Und am letzten Tag kamen wir dann auch noch wirkllich in die ewige Stadt, um all die bestimmt ebenso ewig währenden Denkmäler anzuschauen. All die Ungeduld erweist sich so ja eigentlich als unnütz, denn Rom soll ja ewig während sein, da machen dann 1-2 Tage auch keinen Unterschied: Die Stadt wird es verkraften, so lange auf uns warten zu müssen. Das Problem lag eher darin, dass wir es nicht verkraften konnten, so lange auf die Stadt zu warten. Am Abend dieses letzten Tages genossen wir ein sehr gutes Essen in einem Restaurant in Rom und verabschiedeten uns aus der Stadt, wohl wissend, dass der antike Teil dieser Stadt Jahrtausende überdauert hat und wahrscheinlich auch uns überdauern würde. Am nächsten Morgen nahmen wir einen von den vielen Wegen, die nach Rom führen – wie wir inzwischen wissen, leider nicht immer direkt – in der entgegengesetzten Richtung und kamen nach 5 ereignisreichen Tagen wieder zu Hause an. – Sebastian Reichbauer

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